Rücksichtnahme

Rücksicht nehmen, brav und höflich sein sind einige der Begriffe, die ich als Kind ziemlich oft gehört habe. Wahrscheinlich habe ich das irgendwie nicht richtig übersetzt, denn aus Rücksichtnahme wurde Rücksichtnahme auf andere – aber nicht auf mich. Aus brav sein wurde irgendwann ein angepasstes Dasein. Aber nicht so, wie man es von guten Schneidern kennt, die dir einen Fetzen maßgeschneidert und nur für dich auf die Figur „zimmern“, sondern eher angepasst an andere „Figuren“. Abgerundet wurde das Ganze dann durch eine Höflichkeit bis kurz vor Erbrechen. Oder wird dir nicht schlecht, wenn du vor lauter höflicher Rücksichtnahme deine eigene Kontur schon gar nicht mehr fühlen kannst? Irgendwann reicht es einfach und wir begreifen:

Erst wenn der Inhalt Kontur bekommt, wird Profil sichtbar.

Wie kommt man nun an seine eigene Kontur? Jede Frau, die Lippenstifte verwendet, weiß, dass es sinnvoll ist, mit einem Konturenstift zu arbeiten, um die Lippenränder zu konturieren. Dann wird vollflächig ausgemalt und am Ende haben wir einen wunderschön geschminkten Mund. Im Prinzip gilt das gleiche für unsere Persönlichkeit. Bekommt sie Kontur, dann wird unser Profil sichtbar. Dazu können wir anstelle eines Konturenstiftes auf unser Gespür zurückgreifen, denn wir haben ein ziemliches gutes Gespür dafür, wie wir sind und wie wir sein wollen. Es könnte sogar sein, dass dies die ehrlichste Form der Rücksichtnahme ist, denn es ist doch ganz einfach: wenn du weißt, wie du bist, dann wirst du das wahrscheinlich auch leben wollen.

Bist du echt unterwegs, dann nimmst sogar gleich 2 mal Rücksicht:

Rücksicht auf dich, weil du dich so verhältst und benimmst, wie du bist und Rücksicht auf den anderen, weil du ihm nichts vorgaukelst. Und da sind wir auch schon wieder bei dem genialen Satz: „Wenn jeder vor seiner eigenen Tür putzt, dann ist es überall sauber.“ Und wenn jeder echt ist, dann wird es bald überall echt sein. Sehr schöne Vorstellung, das gebe ich zu. Nelson Mandela hat genau das mit dem folgenden Text von Marianne Williamson zum Ausdruck gebracht. Immer schön. Immer wahr. Und geht so:

Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind.

Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind.

Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.

Wir fragen uns: “Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, begnadet, phantastisch sein darf?”

Wer bist du denn, es nicht zu sein?

Du bist ein Kind Gottes. Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht.

Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du schrumpfst, damit andere um dich herum, sich nicht verunsichert fühlen.

Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.

Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben, wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun andere befreien.

 

Und wir brauchen uns auch hier keinen „Streß mit echt“ zu machen. Je eher du mit deinem echt anfängst, desto eher weißt du, wie das geht. Und desto eher wirst du Menschen anziehen, die dein echt mögen. Geht uns selbst doch genauso: wenn sich jemand echt anfühlt, dann ist es einfach spannend und angenehm in dessen Gegenwart. Dazu passt auch, was Bruce Lipton in seinem Buch „Honey Moon-Effekt“ schreibt:

„Was ich Ihnen anbieten kann, ist die Hoffnung auf eine bessere Welt. Wenn Sie eine „Happy End ohne Ende-Beziehung erschaffen, fangen Sie an, ähnlich gesinnte Menschen anzuziehen, die sich wie ein Puffer zwischen Sie und jene Teile der Welt schieben, mit denen Sie im Clinch lagen. Gemeinsam mit diesen Menschen, die wissen, dass es eine andere Art zu leben gibt, erzeugen Sie dann Ihre eigene, vom Leuchten der Edelgase erfüllte Blase.“

Unser Wunsch und Verlangen nach echt wird auch unsere Ehrlichkeit wachsen lassen, denn wenn wir echt sein möchten, dann hat dieses verflixte sich zurücknehmen einfach nicht mehr so viel Platz. Und wer will seine Zeit schon mit Geschichten verplempern? Spätestens dann, wenn uns dämmert, dass unser physisches Leben hier endlich ist, dann gehen wir kostbarer und ehrlicher damit um. Mit dem Leben. Und mit der Ehrlichkeit. Und eines ist sicher: wir haben schlicht und einfach nicht mehr so viel Zeit, wie wir sie an dem Tag unserer Ankunft hier auf dem Planeten mal hatten. Also: alles, nur keine falsche Zurückhaltung.

SEI. EINFACH. ECHT.

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