LustFragen

Immens wichtige Frage: zu was hast du Lust? Wir haben gelernt ordentlich zu sein. Die, die das nicht lernen mussten, die hatten das dann eben schon immer im Griff. Die Glücklichen. Wir haben auch gearbeitet – ob aus Leidenschaft oder aus anderen Gründen. Wir haben es auf alle Fälle getan. Wir haben dies gemacht, wir haben jenes gemacht. Wir machen dies, wir machen jenes. Noch immer. Doch wann haben wir uns zum letzten Mal die Frage gestellt:

Zu was habe ich jetzt Lust?

Wirklich. Wann hast du dir diese Frage zum letzten Mal gestellt? Und zwar so lang oder so kurz, bis du deine Antwort gehört hast?

Wir haben es in diesem Land ja ohnehin nicht so mit den Fragen. Alles zu ehrlich, alles zu nah, oh mein Gott. Doch wenn du echt sein möchtest, also wenn du das richtig willst, dann wird es nicht ausbleiben, dass du an der einen oder anderen Stelle für Klarheit sorgst. Und um Klarheit zu schaffen, hast du zum Beispiel die wunderbare Möglichkeit, Fragen zu stellen. Fallweise reicht auch eine Frage. Die kannst du dir selbst stellen, die kannst du aber auch anderen stellen.

Doch wann, zu welchem Anlass und aus welchem Grund, haben wir die Offenheit und den Mut für Fragen verloren?

Vor einigen Jahren war ich zu einem Weihnachtsfrühstück bei einer Familie mit 3 Kindern eingeladen. Von einem dieser drei Kinder bin ich just an diesem Morgen ein sehr, sehr großer Fan geworden. Da ich eine gewisse EssensAffinität mein eigen nennen, habe ich mich freudig an den riesengroßen Tisch gehockt. Und als ich da so gemütlich saß, stellte die Kleine – vor meinem ersten Schluck Kaffee – die bezaubernde Frage: „Hilde, wenn du gegessen hast, dann gehst du aber wieder, ja?“ Genial. Warum? Weil sie ehrlich war. Die Kleine. Und die Frage.

Wann haben wir den Mut zur Frage verloren? Wann haben wir unseren Frage-Mut gegen Frage-Unmut eingetauscht?

Oder kennst du viele Menschen, die einfach fragen, wenn sie etwas wissen möchten? Manche Menschen leiten eine Frage sogar mit dem „darf ich dich etwas fragen“ ein. Ja, ich weiß, dass ist höflich gemeint. Ich mag Höflichkeit wirklich sehr, aber wenn man etwas wissen will, dann ist es doch am klügsten, einfach direkt nachzufragen. Platz ist in der kleinsten Hütte – Platz für Höflichkeit ist in jeder Frage.

Doch statt nachzufragen, wird das GedankenKarussel in Schwung gebracht, verglichen damit lahmt jeder Rummelplatz. Und das Ergebnis ist von der Antwort, die wir auf offenes und ehrliches Nachfragen erhalten würden, wahrscheinlich ziemlich entfernt.

Warum also nicht einfach mal nachfragen, wenn wir etwas wissen wollen?

Fragen zu stellen heißt natürlich auch, dass es durchaus vorkommen kann, dass jemand uns eine Frage stellt. Wie reagieren wir also selbst darauf, wenn wir gefragt werden?

Ich glaube, ich selbst habe bis dato jede Frage beantwortet, die man mir gestellt hat. Von der üblichen „wie geht’s-Frage“ halte ich nicht so viel und stelle sie selten. Und wenn, dann meine ich sie ernst. Letzte Woche habe ich sie ernst gemeint und eine sehr schöne Reaktion erhalten. Die „Antwort“ lautet schlicht und einfach: „Warum?“ Okay, auch nicht schlecht. Hat Eindruck hinterlassen, schließlich erinnere mich noch heute daran. Ich komm‘ klar damit, denn meine Lust auf Fragen möchte ich mir einfach „sichern“.

Kinder machen das ja ganz gerne. Du stellst ihnen eine Frage und sie antworten dir – natürlich von Freude strahlend und glitzernd wie der sprichwörtliche Tannenbaum: „So halt.“ Zack, fertig.

Wenn du Lust dazu hast, eine Frage zu stellen, dann mach‘ das einfach. Und wenn du Lust dazu hast, eine Frage zu beantworten, dann mach‘ das einfach. Aber ganz egal, wie du’s machst: mache es mit Lust. Und solltest du mal keine Lust dazu haben – auf Fragen oder was auch immer – dann bleibe höflich. Zur dir. Und dem anderen.

So. Heute ist FrageTag, also zurück zum Ausgangspunkt: zu was hast du jetzt gerade Lust? Wie auch immer deine Antwort ausfällt:

SEI. EINFACH. ECHT.

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