Freiheit

In den letzen Jahren war es oft zu hören: „Ich möchte Freiheit, möchte frei sein.“ Ah ja, an sich kein schlechtes Vorhaben, nur zu. Ins Stocken geraten wir aber manchmal genau an der Stelle, wenn die Frage auftaucht:

Frei FÜR WAS und frei VON WAS?

Die Frage kann einen treffen wie der Eimer mit dem kalten Wasser. Einerseits normal, äußert sich der Wunsch nach Freiheit doch erst einmal als Gefühl – oder wenigstens als Wunsch danach, das Gefühl der vielgelobten Freiheit zu haben. Das dann auch noch in Worte zu fassen, kann zuweilen recht mühsam erscheinen. Das ist aber – versprochen – nur auf den ersten Blick so. Zugegeben, auch ich mag es sehr, dass Gefühl der Freiheit.

Doch wann fühle ich mich frei? Frei von was auch immer und frei für was auch immer?

Meine Freiheit oder die Umstände, die mir das Gefühl von Freiheit geben, sind ziemlich simpel. Ich möchte ein Zuhause – sowohl in mir als auch in Form von Räumlichkeiten, also ein Zuhause. Klar, denn einen Ausgangspunkt oder Landeplatz, an den sie immer wieder zurückkehren kann, den braucht die WerteFrauSteffen schon zu ihrem Glück.

Dann möchte ich noch die Freiheit dazu haben, von meinem Kopf Gebrauch machen zu können, brauche also Zeit. Zum Denken. Und Zeit für mich, die möchte ich auch, denn – wichtig, wichtig – ich möchte die Freiheit dazu haben, mich selbst zu fühlen und meine innere Stimme wahrzunehmen.

Und dann – auch wichtig, wichtig – möchte ich noch die Freiheit der Wahl haben. Die Freiheit, zwischen zwei oder mehreren Alternativ frei von Angst und frei von Zwang wählen zu können. Ich möchte auch die Freiheit haben, Zuverlässigkeit, Vertrauen und all das, was sonst noch zu dieser Begriffs-Familie zählt, leben und schenken zu können. Soweit also zur Freiheit für.

Doch wie sieht es aus mit der Freiheit von? Auch das sieht es bei mir ziemlich simpel aus. Ich möchte fei sein von unecht, vom unecht des anderen und von meinem eigenen. Und je mehr wir von dem leben, was uns wichtig ist, desto eher eröffnen wir dem anderen den Raum für genau das. Seit ich mich mit meiner Leidenschaft für echt „geoutet“ habe, haben zum Beispiel die Nachrichten in meinem Maileingang eine andere Färbung. Sollte ich es in einer Farbe beschreiben, dann würde ich von einer kräftigen Pink-Rot-Nuance statt einem müden Grau sprechen.

Meine Beziehungen und Freundschaften haben mehr Tiefgang bekommen. Na sicher fühle ich mich dabei manchmal wackelig, doch das ist mir lieber als auf blankpolierter Oberfläche sicher und gelangweilt dahin zu dümpeln. Abgesehen davon fühle ich mich in der Tiefe ohnehin mehr Zuhause als oben. Ob oben oder unten: warm, ruhig und zuverlässig – so wollte ich es schon immer.

Und eines ist klar: Freiheit bedeutet für jeden von uns etwas anders. Der Faktor an Klarheit nimmt zu, wenn wir wissen, von was wir frei sein wollen und für was wir frei sein wollen.

Die Freiheit, echt sein zu können, wird auch noch recht häufig ins Feld geführt. Doch wenn die Freiheit dann winkt, dann verhalten wir uns manchmal wie Hühner in Legebatterien, denen man die Freiheit in Form einer schönen, grünen und saftigen Wiese schenken wollte: wir kehren wieder um. Gut, zwei Schritte vor und einen zurück ist manchmal legitim, doch wir sollten darauf achten, dass wir diesen „Eier-Tanz“ nicht kultivieren. Sonst laufen wir versehentlich im Kreis – und dann wird das auch wieder nix mit der schönen, grünen und saftigen Lebens-Wiese. Um dieses „Wiesen-Glück“ wahr werden zu lassen, könnten wir unseren Wunsch nach Freiheit zu unserem echt, mit Mut versehen und dann – vereint mit einer klaren Absicht – ans Werk gehen. Wenn wir zur Vergesslichkeit neigen, dann können Zettel und Stift ziemlich gute Dienste leisten. Ja, ich weiß, Einkaufszettel sind verpönt, aber hier geht schließlich um Freiheit. Und die kann einem ruhig mal einen Zettel wert sein. Bevor du es im Tagestrubel, Weihnachtstrubel, Lebenstrubel, Gefühlstrubel, Liebestrubel oder was weiß ich für Trubeln vergißt, schreib‘ es einfach auf, damit du daran denkst. Und wenn du gerade nix zum Schreiben hast, dann findest du es hier in kurzen und anderen Worten vorformuliert:

SEI. EINFACH. ECHT.

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