Hofköterdasein

Was trinke ich jetzt, um kein Durstgefühl mehr zu haben? Was esse ich jetzt, um keinen Hunger mehr zu verspüren? Was ist notwendig, damit ich rechtzeitig zum Termin komme? Wenn wir irgendwann in unserem Leben feststellen, dass wir uns bis jetzt im wesentlichen auf diese Fragen reduziert haben, dann, tja dann ist das definitiv eine Frage zu wenig.

Die noch fehlende Frage lautet: was will denn ich in diesem Ganzen?

Kann ja schon mal vorkommen, dass wir unser Leben führen, und führen und führen und dann irgendwann kommt es daher. Unser erstes Mal. Und  wir hören – zum ersten Mal bewusst – die Frage: „Was von alledem ist eigentlich das, was ich mir wünsche? Was davon ist das, was mir guttut?“ Unseren Wunsch nach Nähe? Einfach für uns behalten  – wir wollten ja niemandem zur Last fallen. Unser Bedürfnis nach Verbindlichkeit? In die letzte Ecke verbannt – wir wollten ja niemanden einengen. Unsere Zuneigung? Einfach ‚runtergewürgt – wir wollten ja niemandem sein Verständnis von Freiheit madig machen.

Bis wir eines schönen Tages feststellen: Wow – den Preis für all diese „Rücksichtnahme“ den zahlen wir selbst. Eigenhändige Unterschrift. Einzelhaftung. Kein Aufschub, keine Zinsen, kein Umschulden, wir haben die Zahlungsverpflichtung am Hals. Gekrönt dann noch von der überaus schnuckeligen Frage: „Und nun? Wie geht das ab jetzt hier weiter?“ Du, das ist ganz einfach.

Es gibt viele Gründe, alles beim Alten zu lassen, doch nur einen einzigen, um etwas zu verändern: du hältst es einfach nicht mehr aus.

Viel komplizierter ist es auch nicht. Zugegeben, dazu müssen wir wach sein und – auch sehr von Vorteil – wir müssen wach bleiben. Oder verspürst du gesteigerte Lust dazu, dich weiterhin so weit zurückzunehmen, dass du dich schon selbst nicht mehr erreichst? Auch dann, wenn du dich echt dringend brauchst? Wohl kaum, oder? Also, auf geht’s. Neuer Tag, neues Glück. Sachen, die wir nicht mehr brauchen, weil sie abgenutzt sind, die können wir entsorgen.

Wertstoffhof für Ausrangiertes – Öffnungszeiten 24 / 7, Nutzung kostenfrei, Aufnahmekapazität unbeschränkt, Sondermüll-annahme inklusive. Solltest du einen etwas stärkeren Reminder bevorzugen, dann bitteschön: Adieu, du schönes Hofköter-Dasein.

Du erinnerst dich an den Spruch „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“? Gilt auch hier. Spätestens dann, wenn wir begreifen, dass wir unser Leben bis dato weit unter unserem Bedürfnis-Limit geführt haben, werden wir wohl kaum damit weitermachen wollen. Ab jetzt Filmrollenwechsel, Spannung garantiert, denn nun können wir uns dabei zuschauen, wie wir’s denn so machen. Wo gehen wir neue Wege, weil wir uns für eine andere Abzweigung entschieden haben? Wo knicken wir ein, weil uns der alte Mief vertraut und sicher erscheint? Wo halten wir uns mit der Frage nach dem wieso, weshalb, warum davon ab, genau die Dinge zu tun, die uns gut und richtig erscheinen?

Du hast Angst davor, das Neue zu wagen? Oh mein Gott, was sollte denn bitte deine Alternative sein? Deinen Wunsch nach Nähe einfach weiterhin für dich behalten, weil du niemandem zur Last fallen willst? Dein Bedürfnis nach Verbindlichkeit in die letzte Ecke verbannen, weil du niemanden einengen willst? Deine Zuneigung einfach ‘runterwürgen, weil du niemandem sein Verständnis von Freiheit madig machen möchtest?

Wenn du nicht den Suizid deiner Lebenslust eingeplant hast, dann kann es das nicht sein.

Zugegeben, eine vage umrissene Vorstellung von unserem Statt-dessen ist hilfreich, doch viel wichtiger ist unsere Entschlossenheit, mit der wir uns dem Neuen zuwenden. Dann wird Entschlossenheit zur Königs-Disziplin. Dann, wenn wir uns jeden, jeden und wirklich jeden Tag daran erinnern, was wir ursprünglich wollten. Leben erfahren in all seinen Facetten. Unser Leben in all seinen Facetten. Das ist doch genau das, was wir wollten. Ganz zu Anfang. Und manchmal auch danach. Immer und immer wieder haben wir uns gedacht: Mensch, mach’s doch einfach mal anders. Mensch, mach’s doch einfach mal „in schön“. Mensch,

SEI. EINFACH. ECHT.

2 Kommentare

  1. Hej Du Heldin des Wortes,
    sehr großer Respekt und HERZvoller & -licher Glückwunsch zu 21 Tagen Gedanken zu Worten zu Schrift zu Text zu Blog formen!

    Viel Spaß nun an den Schreibfreitagen 😉

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  2. Danke! Wieder einmal ein „Zufallsbesuch“ in diesem Blog und wieder mal ein Treffer.

    Jeden Tag erinnern, das es mit Freude, schön und leicht sein kann und darf! Den Wert den wir als Mensch haben jeden Tag geniessen und weiter entwickeln. Gerade wir, die wir in einer Gesellschaft leben, in der so gut wie Keiner wirkliche Existenzängste hat. In der man nicht in Lumpen, Repression und Armut (und ich mein hier wirklich arm) landet wenn es mal ungünstig läuft, dank unserem Sozialsystem.
    Nicht das Werte wirklich was mit arm und reich zu tun haben, aber
    wir sind in der Position, nach unseren echten Werten zu leben und ich bin davon überzeugt das die zum größten Teil als positiv gesehen werden. Wir haben damit die Chance unser, aber auch das Leben anderer, nicht so priveligierter, besser zu machen indem wir unsere Werte leben.
    Ich finde es bedenklich, das wir in unserer Situation, teils so wenig in der Lage sind, echt zu leben und stattdessen so leben wie es uns „verkauft“ wird, gegen unsere Werte und Bedürfnisse. Und ist es nicht so, das die Verleugnung unsere Werte erst dazu führt das es vielen auf dieser Welt nicht so gut geht, einschließlich uns selbst, weil wir spüren das da was unrund ist?

    Um es von oben aufzunehmen: Ich halte es nicht mehr aus, das Gejammer um die Arbeit, die Gesellschaft, die Umweltzerstörung….sowohl das Gejammer der Anderen, aber auch mein eigenes. Wenn wir einfach jeden Tag ein Stück ehrlicher und echter leben und damit wacher, haben wir bald alle keinen Grund mehr zum Jammern.

    Nachdenklich, Martin Reyscher

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